RENTENGLÜCK – Wo ist meine Zeit geblieben?

Kekse backen, Geschenke besorgen, Päckchen packen – wo bleibt nur meine Zeit? Nun dachte ich, in diesem Jahr wären die Weihnachtsvorbereitungen überhaupt kein Problem. Schließlich verbringe ich meine Tage ja nicht mehr am Schreibtisch und auf Terminen. Trotzdem habe ich keine Zeit. Oder kaum mehr als sonst. Zumindest gefühlt nicht. Die Adventswochen schmelzen zusammen, die Tage zerbröseln zwischen Plätzchenteig und Festtags-to-do-Listen. Wie habe ich das alles jemals neben meiner Arbeit geschafft?

Gut, in diesem Jahr habe ich mich vielleicht etwas ausführlicher mit dem Aussuchen von Geschenken beschäftigt, habe vor dem Kauf hier und da in Geschäften geguckt, habe im Internet länger nach passenden Büchern für jeden gewühlt, bevor ich dann bei der Buchhändlerin meines Vertrauens meine Bestellliste abgegeben habe, habe auch mal ein neues Backrezept ausprobiert, Walnuss-Plätzchen, natürlich mit Walnüssen aus meinem Garten, selbst getrocknet und geknackt. Schließlich dachte ich ja, ich hätte noch so viel Zeit, bis Weihnachten und überhaupt.

„Wenn du in Rente gehst, fällst du erst mal in ein Loch.“ Das haben mir viele wohlmeinende Zeitgenossen prophezeit. Doch wo ist es, das Rentnerinnenloch? Bisher hat es sich noch nicht aufgetan. Im Gegenteil. Im Augenblick frage ich mich eher: Wie habe ich das alles in den Jahren zuvor bei gleichzeitigem Arbeitsjahresendspurt hingekriegt? Gar als die Kinder noch klein waren und auch der vorweihnachtliche Marathon aus Märchentheater, Bastelstunden in Kita und Schule und den diversen Weihnachtsfeiern von Tennisvereinen, Fußballmannschaften und Musikschulen stets mit Selbstgebackenem und einem Lächeln im Gesicht noch absolviert werden musste. Dagegen habe ich jetzt Entschleunigung pur! Und trotzdem ist mein Tag von morgens bis abends ausgefüllt. Kein Loch in Sicht. Bisher jedenfalls nicht.

Also: Wer Angst vor dem Nichtstun hat, sollte auf jeden Fall zum 1.Dezember in Rente gehen. Das scheint der beste Zeitpunkt für eine Übergangszeit mit garantierter Vollbeschäftigung zu sein. Fragt  sich, was dann im Januar sein wird. Aber bis dahin dauert es ja noch etwas…

Etwas Anderes geht mir da im Augenblick eher im Kopf herum: Denken wir nicht immer alle, wir hätten noch so viel Zeit? Nicht nur im Advent, jeden Tag aufs Neue? Und ganz plötzlich ist alles vorbei, heute, die Vorweihnachtszeit, das ganze Leben. Zerronnen zwischen Alltagsaufgaben und Pflichtprogramm. Das macht mir viel mehr Angst als ein vermeintliches Rentnerinnenloch, gerade jetzt in dieser Lebensphase. Also: Kekse backen und Geschenke aussuchen sind etwas Schönes, die Vorweihnachtszeit ist eben alljährlich eine Ausnahmesaison. Trotzdem möchte ich ab jetzt täglich mindestens einmal innehalten, ganz bewusst durchatmen und auf das schauen, was jetzt gerade ist – und vor allem, ob das jetzt gerade auch wichtig und richtig für mich ist. Den Tag würdigen, die Zeit, meine Zeit. Sie nicht nur füllen und leere Löcher zustopfen, sondern sie sinnvoll und achtsam verbringen. Damit ich nicht am Ende das Gefühl habe, ich hätte zuviel von ihr für immer verloren. CARPE DIEM. Noch ist Zeit dafür.

 

Zeit zum Innehalten finden Sie auch hier:
https://lucky-aging.de/2016/09/01/pause-eine-minute-ewigkeit/

Murphy Witt

Bildrechte: AdobeStock/Alakin_Maksim

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