RENTENGLÜCK – Hurra! Endlich Rente

Heute ist er erste Tag vom Rest meines Lebens. Ein ganz besonderer Anfang. Der Start in mein Rentenglück. Aufregend ist das. Ungewohnt und spannend. Als wenn ich den Job wechseln würde, aber das tue ich ja nun nicht mehr. Mit den Jobs ist es vorbei. Ich lasse die Arbeit hinter mir, beende meine Berufstätigkeit, endgültig. Heute beginnt für mich ein neuer Lebensabschnitt. Mein „Ruhestand“, wie es so schön heißt. Hurra! Ab heute bin ich Rentnerin.

Du Glückliche, sagt jeder, der davon erfährt. Warum eigentlich? Bin ich jetzt wirklich glücklicher als vorher? Ich hätte ja weiter arbeiten können, als Selbstständige kann man das ohne weiteres. Doch ich habe mich dagegen entschieden. Habe ganz bewusst meinen Ausstieg geplant. Bekomme ich jetzt doch kalte Füße? Heute ist Samstag, Wochenende. Da würde ich vermutlich ohnehin nicht am Schreibtisch und vor dem PC sitzen. Wird mir am Montag etwas fehlen? Oder schwappen zum Beginn in die neue Arbeitswoche, die mich ja nun nicht mehr betrifft, die Glücksgefühle so richtig hoch? Warten wir es ab. Heute fühle ich mich jedenfalls noch nicht viel anders als sonst. Weder arbeitsamputiert noch sonderlich befreit. Kommt wahrscheinlich erst noch.

Eine Umstellung wird es in jedem Fall werden für mich. Nach mehr als 39 Jahren Arbeitsleben. Aber genau das war ja auch die Idee, als ich vor gut drei Monaten meinen Antrag auf Altersrente gestellt habe. Spontan geht das nicht. Dafür sorgt unsere deutsche Bürokratie schon. Den Termin vor drei Monaten musste ich mir immerhin schon drei Monate vorher geben lassen. Meine Entscheidung, heute in Rente zu gehen, liegt also schon mehr als ein halbes Jahr zurück. Lange genug, um sich damit auseinanderzusetzen. Genug Zeit, um Pläne zu schmieden.

Reisen oder Ehrenamt?

Erst dachte ich, ich starte mit einer langen Reise in diese neue Lebensphase. Weit weg, raus, und wenn ich wieder nach Hause komme, habe ich vergessen, was Arbeit ist und wie sich ein durchgetakteter Alltag anfühlt. Aber irgendwie passte das dann alles nicht so recht. Und irgendwie habe ich diese Idee nicht hartnäckig genug verfolgt. Sollte wohl nicht so sein 😉

Parallel dazu hielt ich aber schon Ausschau nach neuen Betätigungsfeldern. Wo könnte ich mich einbringen, ehrenamtlich engagieren (wozu bisher die Zeit meist nicht reichte)? Was wäre stimmig für mich? Was würde mir auch Spaß machen, mich nicht zu sehr binden, wenn ich doch spontan wegfahren wollte? Ein paar Organisationen habe ich mir schon angeschaut und wieder aussortiert, die Chemie stimmte einfach nicht, das will und muss ich mir nicht mehr antun. Bei anderen will ich noch schnuppern. Mal sehen, was sich entwickelt.

Sport und Kunst – morgens statt abends

Fest eingeplant habe ich in jedem Fall schon mehr Termine für Sport in meinem Kalender. Gleich morgens. Das ging ja bisher nicht. Oder nur sehr selten. Aber es gefällt mir viel besser, als abends Fitnessaktivitäten zu entwickeln. Da sitze ich wirklich lieber auf dem Sofa oder im Kino. Also super, dass ich das ab sofort anders einteilen kann! Ebenso wie den Besuch von Ausstellungen und Museen. Nie wieder in endlosen Wochenendschlangen stehen und mich mit massenhaft Besuchern vor Exponaten drängeln, wenn ein Mittwochmittag einen viel entspannteren Kunstgenuss schenken kann. Auch in Schwimmbädern ist zu dieser Zeit viel weniger Trubel als am Sonntag. Und den Staus Richtung Nord- und Ostsee kann ich ab sofort ebenfalls antizyklisch entrinnen. Mitten in der Woche gibt’s oft sogar bei bestem Wetter noch ein freies Zimmer, wenn man noch einen Tag dranhängen möchte. Was für Aussichten!

Nur noch nach Lust und Laune

Eines steht in jedem Fall fest: Ich habe 1000 Möglichkeiten. Die Welt steht mir offen, jetzt wo ich mehr Zeit zur freien Verfügung haben werde als in all den letzten Jahren. Doch ich werde wählerisch sein. Ich will meinen Tag nicht mit Aktivitäten vollstopfen, nur um das Loch, das der Wegfall der Arbeit gerissen hat, oberflächlich zu schließen. Wer weiß, was aus diesem Loch in der nächsten Zeit hervorkriechen und erwachsen könnte 😉

Ich muss meinen Tag nicht mit Banalitäten und Nichtigkeiten füllen, nur um Beschäftigung zu haben. Ich muss mich nirgends engagieren, nur um zu einer Gruppe zu gehören. Ich muss nichts tun, was mich nicht interessiert oder mir keinen Spaß macht, nur um unterwegs zu sein und etwas zu unternehmen. Ich möchte Freude in mein Leben bringen und Dinge, die darin bisher zu kurz gekommen sind. Vielleicht sprudeln die besten Ideen gerade dann, wenn ich allein zu Hause sitze oder meine Rosen schneide, Ideen, die bisher in der Hektik des Berufsalltags unerhört blieben. Vielleicht schenkt mir eine gewisse Langeweile jetzt gerade die nötige Muße, um mich kreativ und spirituell weiterzuentwickeln. Vielleicht öffnen sich Türen, die ich bisher noch gar nicht kenne, und Gelegenheiten, an die ich bisher überhaupt nicht gedacht habe. Vielleicht entdecke ich in der vermeintlichen Leere jetzt gerade eine ganz neue Fülle für mein Leben. Offen dafür möchte ich jedenfalls sein. Neugierig. Interessiert. Erwartungsvoll.

Es wird also spannend werden. Ich werde berichten. 

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Murphy Witt

Bildrechte: Monika Murphy-Witt

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