„Seniorin“? Bloß nicht!

Happy senior couple having fun together with mobile smart phone - Active elderly concept with retired people
Schon wieder so ein unmögliches Angebot in der Zeitung: „Internetkurs für Senioren 60+“. Seit ich in dieser Altersklasse spiele, fallen mir immer häufiger solche vermeintlich hilfreichen Veranstaltungen auf. Angebote, die suggerieren, Menschen ab meines Jahrgangs könnten weder mit einem Handy umgehen noch drei Kilometer am Stück Rad fahren. Und auf Reisen brauchen wir selbstverständlich medizinische Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Hallo, hat da jemals ein oberschlauer Marketingexperte einen Blick auf seine Zielgruppe geworfen?

60+ ist heiß umworben. Oft liegt nach Meinung hipper Junior-Werber sogar alles ab 50 bereits jenseits der Seniorengrenze. Reisen, Computerkurse, Fitnessangebote, ganze Messen gibt es für unsere Altersgruppe. Senioren haben Zeit und Geld und wissen mit beidem nichts anzufangen – denken viele Veranstalter. Speziell unsere zahlreichen vermeintlichen Defizite möchten sie ausgleichen. Vor allem beweglicher sollen wir werden – in Kopf und Beinen. Doch was viele dieser „Experten“ übersehen: Das sind die meisten von uns glücklicherweise noch! Die Mehrzahl der 60-Jährigen – geschweige denn der 50-Jährigen – ist heute weit entfernt von Rollator und Treppenlift, von Inkontinenzprodukten und Altersheim.

Ok, nicht alle laufen Marathon oder besteigen locker einen Viertausender. Aber auch diese 60+ gibt es. Und dass nicht jeder gesund ist und der eine oder andere leider bereits Handicaps hat, weiß ich auch. Wir anderen aber stehen mit meist glücklicherweise guter Gesundheit, ordentlichem Fitnesslevel und einem Smartphone in der Hand mit beiden Beinen mitten im Leben. Und selbst wenn wir es wollten, hätten viele von uns gar keine Zeit für einen Internetkurs vormittags von 9 bis 11 Uhr. Wir sind nämlich noch in den Arbeitsprozess eingebunden, bis wir das immer höhere Renteneintrittsalter erreicht haben.

Also Ihr Jungspunde mit den tollen Vermarktungsideen: Schaut euch erst mal um unter den „Senioren 60+“. Ihr werdet staunen, was ihr dort erleben werdet. Das, was vor Jahren noch für diese Altersgruppe galt, kann heute getrost zehn Jahre später verortet werden. „Junge Alte“ nennen Soziologen und Psychologen uns bereits. Wir sind im „dritten Lebensalter“, die Zeitschrift BRIGITTE WIR spricht von der „dritten Lebenshälfte“. Wir sind alle jünger als ihr denkt, im Kopf und im Körper. Viele von uns wirken auch jünger, als das Geburtsdatum in ihrem Pass ihnen bescheinigt. Und wir haben andere Wünsche und Ansprüche, als uns in Anzeigen oft unterstellt wird. Wenn ihr wirklich mehr darüber wissen wollt, sprecht mal mit uns. Wir erzählen euch gern mehr darüber. Dann muss ich mich nicht länger über solche unsäglichen Angebote ärgern.

 

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Murphy Witt

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2 Kommentare zu “„Seniorin“? Bloß nicht!”

  1. Simone

    Liebe Monika,
    ja- die deutsche Sprache hat für uns leider nur so unpassende Bezeichnungen wie „Mittelalter“, „Frührentner“, Generation 50 Plus und noch schlimmer „Senioren“ übrig ! Wer von uns will denn, in unserm spritzigen Alter, schon zum alten Eisen gezählt werden! Nein! Behaltet den Seniorenteller für euch! Da hast Du völlig recht! Verschont uns mit Werbung für Inkontinent-Höschen. Wir brauchen noch keinen Zuschuss für den Treppenlift und auch niemanden der uns ein Senioren Handy verkaufen will.
    Wir sind die „Best Ager“ – also in den besten Jahren! 50Plus!Ü60 …was auch immer…
    Wir befinden uns in einem unglaublich interessanten Zeitfenster , irgedwo zwischen jung und alt. Als junge Erwachsen zählen wir nicht mehr. Aber längst sind wir keine Senioren! Das verbitten wir uns! Lassen wir einfach das starre Denken in festen Altersklassen.

    Liebe Grüße
    Simone aus der http://best-ager-lounge.com/best-ager-wer-sind-wir/

    1. Murphy Witt

      Danke für Deinen wunderbaren Kommentar,liebe Simone. Ich hoffe, es gelingt uns – gemeinsam – mit der Zeit, das Schubladen-Denken zu überwinden. Alles Gute und herzliche Grüße zurück in die Best Ager Lounge, Monika

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