Glücksmomente – nur mit anderen?

„Was hat Sie in den letzten 24 Stunden glücklich gemacht?“ Diese Frage stellten japanische und amerikanische Forscher rund 100 000 Menschen – und bekamen 100 000 persönliche Antworten. Das Spannende dabei: Fast die Hälfte dieser „happy moments“ hatte mit anderen Menschen zu tun. Partner, Partnerin, Familie, Kinder, Enkel, Freunde, Schwester, Bruder, Kollegen, Nachbarn – sie alle hatten dazu beigetragen, dass jemand sich glücklich gefühlt hatte. Das bestätigt wieder einmal: Liebe, soziale Kontakte, persönliche Beziehungen, ein Menschen-Netz sind wichtig für uns; wir sollten das pflegen. Doch heißt das umgekehrt auch, dass viele von uns nur mit anderen zusammen glücklich sein können? Das wäre traurig. Schließlich gibt es noch so viel mehr auf der Welt und im Leben, das uns Glücksmomente schenken kann.

Vielleicht liegt das Ergebnis dieser Studie daran, dass nicht einmal zehn Prozent der Teilnehmer über 50 Jahre alt waren. Die Mehrzahl derjenigen, die ihre Glücksmomente im Online-Tool der Forscher eintrugen, gehörte zur Gruppe der 20- bis 40-Jährigen. Klar lassen ein inniger Kuss, ein gemeinsames Lachen, vertraute Zärtlichkeiten, ein offenes Gespräch oder Erlebnisse, die man zusammen genießt, den eigenen Glückspegel auch in höherem Alter nach oben schnellen. Doch mit den Jahren entdecken wir, dass andere Dinge und Situationen ebenso unser Herz hüpfen lassen und uns mit Endorphinen, Glückshormonen, überfluten. Und manchmal fließen sogar bei Dingen und Erlebnissen Tränen des Glücks, die wir in jüngeren Jahren keines Blickes gewürdigt oder nicht wirklich wahrgenommen hätten.

Schon allein das zu entdecken, ist ein ganz besonderer Glücksmoment. Ein Geschenk. Machen wir uns also daran, neugierig das Glück zu suchen. In gigantischen Landschaften, die wir auf Reise erleben dürfen, ebenso wie in kleinen alltäglichen Dingen: Die strahlende Sonne an einem klirrend kalten Wintermorgen, die erste Rosenknospe im Frühsommer, ein Regenbogen, die plötzlich auftaucht, ein Musikstück im Radio, lange nicht gehört, das Erinnerungen weckt… Kleine Glücksmomente mitten im Alltag. Alltagsglück. Wir müssen nur offen dafür sein, sie wertschätzen und uns daran freuen. Dann können wir auch allein glücklich sein. Vielleicht haben wir dann sogar mehr als einen Moment, der uns an einem Tag glücklich gemacht hat. Und wenn es gerade passt, können wir diese Glücksmomente vielleicht auch noch mit jemand teilen.

 

Murphy Witt

Bildrechte: Siegmar Witt

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