Auftanken in der Natur

Moore sind magische Orte, auch bei Sonnenschein. Stille, nur meine Schritte knirschen leise auf dem gefrorenen Boden des Weges. Sanft bewegt der Wind trockene Gräser hin und her, hin und her. Irgendwo rascheln ein paar Blätter, die sich hartnäckig an einem Baum gehalten haben. Die Natur sammelt Kraft in dieser Jahreszeit, regeneriert sich, um im Frühling mit neuer Frische hervorzubrechen. Wo etwas abgestorben ist, entsteht Neues. Der Kreislauf des Lebens. Und ich bin mittendrin.

Allmählich überträgt sich die Ruhe auf meinen Körper, meine Seele. Ich atme tief ein und aus, ein und aus, Schritt für Schritt. Die klare Winterluft durchströmt mich, nimmt Anspannung und kreisende Gedanken mit sich hinaus, putzt mein Inneres blank, schafft Raum für bisher nicht Gedachtes, bringt Verborgenes zum Vorschein. Mit jeder Einatmung strömt Leichtigkeit und Lebendigkeit hinein. Jeder Atemzug schenkt mir neue Energie, verwandelt mich. In den großen Wasserflächen spiegelt sich die Welt. Glatt und jungfräulich liegen sie vor mir. Schon nagt das freie Nass leicht plätschernd an der Kante des dünnen Eises, das sich am Rand gebildet hat. Steter Tropfen… Was schmilzt gerade in mir? Was löst sich auf, um etwas Anderem Platz zu machen? Ich freue mich darauf, im Frühling wieder herzukommen. Was sich dann wohl verändert haben wird – hier draußen und in mir?

 

 

Murphy Witt

Bildrechte: Monika Murphy-Witt

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