Wer einsam ist, stirbt früher

IMG_4618Familie und Freunde sind die beste Lebensversicherung. Bekannte und Gleichgesinnte in Chören und Sportgruppen, Kochclubs, Volkshochschulkursen und Lesezirkeln sind auch nicht schlecht. Hauptsache, wir gehen unter Menschen. Denn: Einsamkeit und soziale Isolation können ebenso zu einem vorzeitigen Tod führen wie Rauchen und starkes Übergewicht. Das hat gerade die Auswertung von 70 Studien mit insgesamt über 3,4 Millionen Teilnehmern aus den USA, Europa, Asien und Australien gezeigt. Wer dagegen viele Kontakte hat und gut eingebunden ist, hat ein um 50 Prozent geringeres Risiko früher zu sterben als erwartet. So das Ergebnis einer zweiten Analyse von 148 Studien, die kürzlich auf einem Kongress der American Psychological Association präsentiert wurde. Das Fazit der Wissenschaftler: Mit anderen verbunden zu sein ist für uns überlebenswichtig.

Fest steht: Einsame Menschen rauchen mehr, sind häufiger übergewichtig und bewegen sich weniger. Die Folge sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen, sogar Krebs. Dahinter steckt oft chronischer Stress, der im Körper Spuren hinterlässt, das Immunsystem beeinträchtigt und Entzündungsreaktionen hervorruft. Und das alles schadet unserer Gesundheit, stört unser Wohlbefinden und kann im schlimmsten Fall zu einem frühzeitigen Tod führen.

Besonders gefährdet sind natürlich Singles. Wer allein lebt, riskiert schneller in die Isolation zu rutschen. Doch auch eine Partnerschaft ist keine lebenslange Garantie für ein erfülltes Sozialleben. Und manchmal ist es einfach das Leben, das ein bestehendes soziales Netz brutal zerreißt: Ein Umzug in eine neue Stadt, ein fordernder Job, eine längere Krankheit, eine Trennung – und schnell brechen Kontakte weg, und wir stehen allein da. Auch der Eintritt in den Ruhestand ist eine kritische Phase. Wer bisher sein Sozialleben hauptsächlich durch die Arbeit gespeist hat, wird ohne die Kollegen schmerzhaft merken, wie still es um ihn herum ist. Ein Rentnerstammtisch ist zwar klasse, löst das Problem aber nicht wirklich.

Lassen wir es also gar nicht erst so weit kommen. Verkriechen wir uns nicht vor dem Fernseher oder Computer, sondern gehen wir raus ins wahre Leben, treffen wir Menschen und machen wir etwas zusammen. Das muss weder viel Geld kosten noch aufwändig organisiert sein. Ein spontaner Plausch mit den Nachbarn und ehrenamtliches Engagement tun es auch. Und wer sich erst einmal aus seinem Schneckenhaus hinaus getraut hat, wird schnell merken, wie lebendig er sich fühlt und wie gut das tut. Selbst wenn wir unserem Leben dadurch nicht mehr Jahre geben, die Jahre bekommen so auf jeden Fall mehr Fülle und Leben.

Murphy Witt

Bildrechte: Monika Murphy-Witt

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