Endlich Elphi!


Geschafft! Endlich Elbphilharmonie. Endlich gehöre auch ich zu den Glücklichen, die schon drin waren. Nicht nur auf der Baustelle – die habe ich im Rahmen einer Sonntagsführung vor ein paar Jahren besichtigt. Und nicht nur auf der Plaza – da bin ich selbstverständlich sofort nach Eröffnung in steifer Novemberbrise rundherum gelaufen. Nein, endlich war auch ich im großen Saal bei einem Konzert. Endlich Elphi! 

Ich muss es ja zugeben: Irgendwie hatte ich das Hamburger Prestigeprojekt in seiner Handwerker-Endphase etwas aus den Augen verloren. Man hatte sich einfach an die Baustelle gewöhnt. So stand der Start des Kartenverkaufs für die Elbphilharmonie nicht als megawichtiger Termin in meinem Kalender. Selber schuld. Denn dadurch verpasste ich den Run auf die ersten Tickets und ging – wie viele, viele andere auch – leer aus. Das spornte natürlich an. Und irgendwann witterte ich meine Chance: Ein Karten-Kontingent für zusätzliche Konzerte wurde nachgeschoben. Da wollte ich unbedingt dabei sein.

Schon eine Viertelstunde, bevor der Ticketverkauf morgens um 10 Uhr (!) beginnen sollte, saß ich – an einem ganz normalen Arbeitstag – an meinem Schreibtisch, die Website http://www.elbphilharmonie.de auf dem Rechner geöffnet, das Telefon griffbereit. Wie gut, dass ich mir als Selbstständige solche Freiheiten erlauben kann! Die Spannung stieg. Doch der Verkaufsstart wurde um 20 Minuten verschoben. Dann ging es endlich los. Der Link auf der Website öffnete sich – keine Reaktion. Am Telefon Besetzzeichen. Warteschleife. Mit der anderen Hand kontinuierliche Klicks am Rechner. Irgendwann hörte ich an meinem Ohr eine Bandansage: „Wenn Sie auf Deutsch fortfahren möchten, drücken Sie bitte die 1. Für Englisch die 2.“ Ich drückte – und die Leitung brach zusammen. Ruhig bleiben, weitermachen, sagte ich mir. Und ganz plötzlich öffnete sich auf meinem Rechner das Fenster einer Konzertagentur, ich konnte eingeben, wie viele Tickets ich gern kaufen würde und eine Preisklasse wählen. Danach ging alles ganz schnell. Daten hinterlassen, Kreditkarte zücken, fertig. Ich konnte es kaum glauben. Ich hatte es geschafft! 

Platzwahl? Fehlanzeige. Erst später, als ich meine Tickets in den Händen hielt, konnte ich auf dem Saalplan nachschauen, welche Sitze das Roulette uns zugewiesen hatte: Sie waren toll. Glückskarten. Direkt unten an der Rückseite der Bühne. Ich habe noch nie einen Dirigenten so hautnah bei der Arbeit beobachten können. Was gegeben wurde? Egal, Hauptsache großer Saal. Und der hielt, was über ihn gesagt wird. Ein fantastisches Erlebnis! Wie gut, dass die Künstler im Augenblick auch alle einfach nur rein wollen. Auftreten in der Elbphilharmonie. Hamburg statt Sydney ist offenbar zur Zeit die Devise. Vielleicht würden sie sich sonst etwas an der Ignoranz des Publikums stören. Aber so sind alle glücklich. Und ich – ich kann endlich mitreden. Denn egal, wo man hinkommt, gibt es nur eine Frage: Warst Du schon drin?

Murphy Witt

Bildrechte: Monika Murphy-Witt, Siegmar Witt

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