Macht Cannabis das Gehirn wieder jung?

Cannabis kehrt Alterungsprozesse im Gehirn um. Das haben gerade Wissenschaftler der Universität Bonn und der israelischen Hebrew University gezeigt – allerdings vorerst nur an Mäusen. Trotzdem sind die Forscher so optimistisch, dass sie als nächstes eine klinische Studie am Menschen planen. Also Joints und Haschkekse als Jungbrunnen fürs Gehirn?

Kiffen verschlechtert das Gedächtnis. – Warum? – Hab ich vergessen.“ Der bekannte Grafitti-Spruch scheint nach diesen neuesten Erkenntnissen überholt zu sein. Oder doch nicht? Fakt ist: In unserem Gehirn gibt es körpereigene Cannabinoide. Die erfüllen dort wichtige Funktionen, damit wir geistig fit sind. Doch je älter wir werden, desto weniger dieser Substanzen haben wir. Und je kleiner die Menge, desto schneller altert unser Gehirn. Ein fataler Teufelskreis!

Da kommt THC ins Spiel. THC (Tetrahydrocannabinol) ist der Wirkstoff, der in Hanfpflanzen steckt und für berauschende Erlebnisse sorgt. Und in unserem Gehirn ähnlich wirkt wie unsere hausgemachten Cannabinoide in jungen Jahren. Die Labormäuse profitierten jedenfalls enorm davon, dass die Wissenschaftler sie vier Wochen lang mit kleinen Mengen THC dopten. Sie konnten sich besser orientieren, erkannten Artgenossen wieder, hatten ein besseres Gedächtnis und waren geistig so leistungsfähig wie ganz junge Tiere. Sie hatten sogar mehr Verknüpfungen von Nervenzellen in ihren Gehirnen – Voraussetzung dafür, um lernfähig zu bleiben. „Die Behandlung kehrte den Leistungsverlust der alten Tiere wieder komplett um. Es sah so aus, als hätte die THC-Behandlung die molekulare Uhr wieder zurückgesetzt“, sagt Professor Andreas Zimmer vom Institut für Molekulare Psychiatrie der Universität Bonn, der die Studie leitete und seit langem in diesem Bereich forscht.

Also kiffen für geistige Fitness? Mit Sicherheit nicht. Denn zum einen haben die Forscher nicht irgendein Kraut verwendet, sondern den Tierchen gezielt Dosen des Cannabis-Wirkstoffes verabreicht. Medizinisches Cannabis sozusagen. Und zum anderen war die Menge, die diese erfreuliche Wirkung erzielte, sehr gering. Nicht auszuschließen, dass mehr THC die Mäusegehirne schleunigst ins Greisenalter befördert oder sogar Schlimmeres bewirkt hätte. Vermutlich ist es auch hier wie so oft: Die Dosis macht das Gift. Dann wäre auch klar, wie der Grafitti-Spruch entstanden ist.

Murphy Witt

Bildrechte: Sangoiri/Fotolia

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