Dr. Google: Risiko oder Chance?

Früher fragten wir unseren Arzt oder Apotheker. Und heute? Geben wir es doch ruhig zu: Egal ob der Rücken schmerzt, der Magen rumort oder der Schlaf auf sich warten lässt –  die meisten von uns wenden sich erst einmal an Dr. Google. Sofort beim ersten Unwohlsein starten wir im weltweiten Netz die Suche nach Symptomen, Ursachen und therapeutischen Möglichkeiten. Und freuen uns, wenn wir Leidensgenossen finden. Dann vergleichen und bewerten wir, hangeln uns von einem Kommentar zum nächsten und haben schnell das Gefühl, dass wir noch schlimmer dran seien als Anna aus Bayreuth und Jochen von Borkum.

Schon während des Klickens von einer Website zur nächsten verschlimmern sich unsere Beschwerden, oft tauchen sogar neue auf. Wenn wir Glück haben, finden wir Beispiele für spontane Wunderheilungen. Doch wenn wir Pech haben, tut sich statt der ersehnten Infos, Tipps und Hilfestellungen auf unserem Bildschirm vielleicht sogar ein Worst-Case-Szenarium auf. Spätestens dann mutieren harmlose Kopfschmerzen in unseren Gedanken zum inoperablen Hirntumor, und das Kribbeln im rechten Fuß ist für uns der untrügliche Hinweis dafür, dass wir kurz vor einer Amputation stehen. Dumm gelaufen! Oder besser gesagt: dumm verlaufen im Internet. Virtuelle Weißkittel und selbst ernannte Selbsthilfegruppen können auch in die Irre führen. Unserer Gesundheit hilft das dann leider wenig.

Dass Google für viele heute nicht nur die erste, sondern auch die letzte Instanz in Sachen Gesundheit ist, hat gerade eine repräsentative Studie des Kölner rheingold instituts (http://www.rheingold-marktforschung.de) im Auftrag von Pascoe Naturmedizin aus Gießen (http://www.pascoe.de) gezeigt. Für immerhin 74,3 Prozent der User beginnt die Suche dort, wenn sie sich über gesundheitliche Fragestellungen informieren wollen. Das Problem dabei: „Während das Vertrauen in die Ärzte mehr und mehr schwindet, wird Google zu einer Art göttlichen Instanz des Internets“, sagt Stephan Grünewald, Diplom-Psychologe und Leiter der Studie. „Google hat für viele Menschen heute den Nimbus eines potentiellen Heilsbringers.“

Klar, Google hat Zeit, ist geduldig und auch nach Stunden noch offen für jede noch so abwegige Frage. Da kann keine terminlich durchgetaktete Arztpraxis mithalten. Vor allem ist Google sofort und rund um die Uhr verfügbar. Wer drei Monate auf einen Termin beim Orthopäden oder Neurologen warten muss, weiß das zu schätzen. Und kann in der Zwischenzeit schon mal alle Eventualitäten im Rahmen einer Selbstdiagnose via Web abklären. Je schwerer eine Erkrankung, desto länger die Suche. Auch das haben die Forscher festgestellt. Bis zu 2,4 Stunden klicken sich Suchende dann durchs Netz. Besonders praxisnahe Alltagstipps wecken das Interesse (bei 57 Prozent laut Studie) und Alternativen zur Schulmedizin (bei 38 Prozent). Diagnosetests, Foren und Beratungschats vermitteln das Gefühl, dass endlich mal jemand zuhört und die eigenen Probleme versteht. Gestärkt durch das im Internet ergoogelte Wissen sitzen viele dann ihrem Arzt gegenüber. Und hoffen auf eine bessere Behandlung auf Augenhöhe.

Eine „virtuelle Pilgerreise“ nennen die Forscher vom Rheingold Institut das. Eine „Heils-Suche im Internet“. Eine Suche nicht nur nach Fakten und medizinischem Wissen, sondern auch nach Schicksalen, nach der Nähe zu Gleichgesinnten und anderen Betroffenen, nach Verständnis und Trost. Und letztendlich eine Suche nach sich selbst. „Die Suchenden möchten sich als ganzer Mensch wahrgenommen fühlen, mit all ihren Sorgen, Nöten und auch Sehnsüchten“, unterstreicht Stephan Grünewald. „Die virtuelle Pilgerreise ist erst dann an ihrem Ende angelangt, wenn sich der Mensch wiedergefunden, verstanden und das Gefühl hat, sich mit neuem Mut seinem Alltag zuwenden zu können.“

So können wir also durchaus profitieren von unseren Recherchen im Netz. Vorausgesetzt, wir bewegen uns auf Websites, die kompetente, qualitativ hochwertige und vertrauenswürdige Informationen bieten, unabhängiges Fachwissen, das es uns ermöglicht, uns ohne Beschönigung oder Panikmache selbst eine Meinung zu bilden. Dann geraten wir nicht so leicht in den gefährlichen Sog der Dramatisierung und können uns und unsere Beschwerden abgrenzen zu dem, was andere Menschen erlebt haben.

Nur so wird es uns möglich, uns selbst mit diesem Wissen wieder näher kommen. Eine große Chance! Wir können unseren Körper neu entdecken, Veränderungen und Warnsignale sensibler wahrnehmen und besser in uns hinein spüren. Und so herausfinden, was uns jetzt gerade gut tut und was wir brauchen, um uns wieder besser zu fühlen. Bewusste Selbstwahrnehmung und ein gestärktes Vertrauen in unseren Körper als Basis für eine gute Selbstfürsorge. Auch dabei könnte Dr. Google uns helfen. Allerdings nur in Praxisgemeinschaft mit Dr. Feel. Denn erst, wenn wir den Computer auch mal ausschalten, uns statt dem Internet uns selbst zuwenden, können wir wirklich in Kontakt mit unserem Körper, seinen Beschwerden und seinen Bedürfnissen kommen.  Erst wenn wir feinfühlig in uns selbst hineinhorchen, hinein fühlen, statt uns nur an den Äußerungen im World Wide Web zu orientieren, finden wir unseren ganz eigenen Weg zu Gesundheit und Wohlbefinden.

Umfassende Informationen zu Natur- und Erfahrungsmedizin bietet das neue Portal der PASCOE-AKADEMIE unter http://www.pascoe-akademie.de.

Murphy Witt

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