Die Hüterin der Gewürze

Fünf ist eine magische Zahl für Manuela Sawitzki. Gerade hatte sie eine Fortbildung zur 5-Elemente-Ernährung abgeschlossen, als sie nach Madagaskar reiste – und dort fünf Gewürze entdeckte. Fünf Gewürze, die ihre Leidenschaft weckten und zur Basis ihres neuen Geschäfts wurden: dem Gewürzhandel. Heute sagt sie: „Gewürze sind mein Leben.

Um ein Projekt für Straßenkinder zu besuchen, für das sie sich engagierte, fuhr die Frau aus dem Seebad Heringsdorf 2010 dorthin, wo der Pfeffer wächst. Auf der tropischen Insel im Indischen Ozean vor der afrikanischen Küste, die viele den sechsten Kontinent nennen, ist Manuela Sawitzki fasziniert von der üppigen Vegetation und dem bunten Angebot auf den Märkten. Besonders die Gewürze haben es ihr angetan. Sie schwelgt in Düften und Aromen, entdeckt eine Intensität und Qualität, die sie bisher nicht kannte. Als sie nach Deutschland zurück reist, hat sie neben dem berühmten Pfeffer auch Vanille, Muskatnuss, Gewürznelken und Canehl-Zimt im Gepäck. Die ersten fünf Gewürze, mit denen sie einen Handel starten will.

Schnell folgen weitere. Inzwischen arbeitet die 53-Jährige mit einer Kooperative auf Sri Lanka zusammen, die Zimt, Muskat, Kreuzkümmel und Kardamon produziert. Sie hat Verträge mit kleinen Gewürzgärten in Vietnam, die sie ebenfalls auf einer Reise kennengelernt hat, und Bauern in Kambodscha. So unterstützt sie direkt die Menschen vor Ort in ihren Dörfern. „Alles keine Großplantagen, denn die liefern nicht die hochwertige Qualität, auf die ich Wert lege“, betont Manuela Sawitzki. Ihre Gewürze stammen aus ursprünglichem Anbau, haben Zeit, um auszureifen und entfalten so unvergleichliche Aromen. Wie zum Beispiel die unterschiedlichen Pfeffersorten aus dem Mekongdelta. Die Böden dort sind besonders reich an Mineralien, die hohe Luftfeuchtigkeit sorgt dafür, dass die Beeren tatsächlich ausreifen können und nicht am Baum vertrocknen. Getrocknet werden sie dann in Handarbeit nach der Ernte acht Tage lang auf Bambusmatten in der Sonne. Jede Nacht werden sie reingeholt, damit sie nicht wieder feucht werden. Erst dieser langsame Fermentationsprozess sorgt für unverwechselbaren Geschmack. „Fruchtig oder feurig, nach Zitrone oder Kakao, jedes Anbaugebiet hat sein eigenes Aroma“, schwärmt die Gewürzexpertin. „Da können unreif per Maschine geerntete und im Schnellverfahren getrocknete Pfefferbeeren aus dem Großhandel nicht mithalten.“

Nur frisch gemahlen sollten dieser exquisite Pfeffer verwendet werden. Neben den einzelnen Sorten bietet Manuela Sawitzki auch spezielle Mischungen an, die sie selbst zusammenstellt. Ebenso wie Currys, die sie ausschließlich in ungemahlener Form vertreibt. „Kein Inder, der etwas auf sich hält, würde ein fertig gemahlenes Curry ins Essen geben, wie es hier in den Geschäften verkauft wird“, sagt sie. Nur frisch gemörsert kann es sein volles Aroma entfalten und auch die Gesundheit fördern. Denn schließlich sind Gewürze Vielstoffgemische, die nur in ihrer Gesamtheit wirken und Heilkraft haben.

„Pfefferkorn hat die Fähigkeit, Geheimnisse auszuschwitzen“, sagt Tilo, die „Hüterin der Gewürze“ im gleichnamigen Roman von Chitra Banerjee Divakaruni. Sie hat seherische Fähigkeiten und kann mit Hilfe von Gewürzen die geheimsten Wünsche und Sehnsüchte von Menschen erkennen. „Ein Flüstern genügt, und sie überlassen mir ihre versteckten Fähigkeiten und magischen Kräfte“, sagt Tilo. Einiges davon hat Manuela Sawitzki auch bereits entdeckt. Wer fragt, bekommt gern eine Beratung. Ein spannendes Feld, das sie neben dem Ausbau ihres Gewürzhandels noch weiter beackern möchte. „Wenn man Dinge tut, mit denen man andere Menschen unterstützen kann, gibt das ein gutes Gefühl, „ sagt sie. „So kann ich versuchen, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.“

Wer Gewürze bestellen möchte, findet eine Liste unter http://www.masawi.de

Murphy Witt

Bildrechte: Fotolia/Lukas Gojda, Masawi

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