Sex ohne Stress: Lustvoll gesund bleiben

Intimate moments with life lover

Sex ist wunderbar, in jedem Alter. Er lässt unser Herz schneller schlagen und überschüttet unseren Körper mit Hormonen. Er rötet die Wangen, lässt die Augen strahlen und schenkt uns gute Laune. Er hält uns gesund und jung. Dachten wir bisher. Stimmt, bestätigen jetzt Forscher der Michigan State University, aber nur für Frauen. Ein regelmäßiges und befriedigendes Liebesleben schützt sie auch in späteren Jahren vor Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Von der wohltuenden Wirkung für die Psyche mal ganz abgesehen. Das geht aus den Daten der Langzeitstudie mit rund 2200 Teilnehmern und Teilnehmerinnen zwischen 57 und 85 Jahren hervor. Die sexuell aktiven Männer hatten dagegen ein höheres Risiko für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Schlaganfälle als ihre enthaltsamen Altersgenossen. Wollen uns die Wissenschaftler damit den Spaß am Sex vermiesen? Oder müssen wir Frauen uns jetzt alle einen jüngeren Lover suchen?

Vor allem sollten wir uns zuerst einmal entspannen. Und unsere Erwartungshaltungen überprüfen. Gemeinsam, Frauen und Männer zusammen. Denn der Grund dafür, dass älteren Männern lustvoller Sex oft schadet, ist Stress. Das hat die Untersuchung ebenfalls herausgefunden. Leidtragende waren vor allem diejenigen, die sich zu sehr anstrengten, um zum Orgasmus zu kommen.

Machen wir uns nichts vor. In Sachen Sex passen die Geschlechter ab der Lebensmitte oft nicht mehr optimal zusammen. Viele Frauen haben, wenn die Wechseljahre vorüber sind, wieder mehr Lust und genießen das Liebesspiel intensiv, wenn sie einen liebevollen Partner haben. Viele Männer haben dagegen oft Potenzprobleme und Erektionsstörungen. Aus Angst zu versagen setzen sie sich selbst unter Druck. Und helfen nicht selten sogar mit Potenz fördernden Mitteln nach, die den Körper belasten. Dann sind sie zwar zufrieden, wenn ihre Bemühungen mit einem Orgasmus gekrönt werden; der Stress schadet jedoch ihrer Gesundheit, vor allem ihrem Herzen. Die Messlatte zu hoch zu legen und sich zu verausgaben, tut nicht gut – weder im Job noch in der Liebe.

Verbannen wir also das Leistungsdenken aus dem Bett. Statt uns selbst zu überfordern und unrealistischen Normen hinterher zu jagen, sollten wir uns mit Neugier, gegenseitigem Verständnis und Empathie einander zuwenden, uns und unsere Bedürfnisse in dieser Lebensphase zusammen neu entdecken. Und mit Fantasie versuchen, sie stressfrei zu befriedigen. Ebenso wenig wie wir jetzt alle noch Marathon laufen müssen, sollten wir uns zu Höchstleistungen im Bett anstacheln lassen. Wir müssen mit 60 nicht mehr alle Positionen des Kamasutra durchexerzieren. Langsam, geduldig und sinnlich kommen wir auch zum Ziel. Ohne ungesunden Stress und meist viel genussvoller als im Kräfte zehrenden Sprint. Davon haben beide Partner mehr. Und dann ist Sex sicher auch für die nicht mehr ganz jungen Männer gesund. Vielleicht sollte das mal näher untersucht werden.

Murphy Witt

Bildrechte: Photographee.eu/Fotolia

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