Glücksfaktor Gelassenheit

Frank Behrendt / fischerAppelt AG / Köln, 02. Sept. 2015

Der Takt der Arbeitswelt wird immer schneller. Das spüren vor allem diejenigen, die nicht mehr ganz jung sind. Zwar können sie manches durch Know How, Erfahrung und Sozialkompetenz ausgleichen. Doch letztendlich fühlen sich viele ständig gestresst und fragen sich: Wie lange kann ich das noch durchhalten, bevor ich mich ganz kaputt mache? Dass es auch anders geht, selbst bei einem anspruchsvollen Job mit 60-Stunden-Woche, beweist Frank Behrendt. Der 53-Jährige Kommunikationsfachmann und Vater dreier Kinder ist leidenschaftlicher und erfolgreicher Manager in einer großen deutschen PR-Agentur, engagierter Familienmensch – und trotzdem tiefenentspannt und grundfröhlich. Ein „Guru der Gelassenheit“, sagen Freunde und Kollegen. Wie er zum „Lord des Loslassens“ geworden ist,  hat er jetzt in einem Buch beschrieben. „Liebe dein Leben und nicht deinen Job“ heißt es. LUCKY AGING hat mit Frank Behrendt über das Geheimnis seiner entspannten Haltung gesprochen. Und über das Älterwerden.

LUCKY AGING:  Liebe Dein Leben – was gehört für Sie zu einer positiven Grundeinstellung im Leben unbedingt dazu? Welches sind die drei Top-Voraussetzungen?

FRANK BEHRENDT: Back to basic: Viele müssen wieder lernen, sich an ganz einfachen Dingen zu erfreuen. Ein blauer Himmel, ein Espresso in der Sonne, Kinderlachen. Das normale Leben ist voll von kleinen Highlights. Geh wieder auf Entdeckungstour wie früher. Es lohnt sich!
Zweitens sich anstecken lassen:  Sprich mehr mit Menschen, die inspirieren und positive Energie ausstrahlen. Und mach um die Meckerer einen großen Bogen. Die Sonnen-Menschen gibt es überall. Auf dem Wochenmarkt, im Café oder im Sportverein. Jeder Kontakt ist wie ein kleiner Wellness-Trip. Genieß ihn!
Das ist Dritte ist, die Kindheit neu zu erleben: Fast jeder hat in der Jugendzeit schöne Dinge erlebt. Ich war früher immer bei den Karl-May-Festspielen und fahre jetzt wieder mit meinen Kindern hin. Es ist herrlich, die vertraute Winnetou-Musik zu hören und einzutauchen in die Welt die ich so geliebt habe. Hol das Glück zurück!

LUCKY AGING: Mehr Gelassenheit für alle – das ist Ihre Vision. Wie kann uns das im Umgang mit dem Älterwerden gelingen? Und wie entspannt gehen Sie selbst damit um?

FRANK BEHRENDT: Gelassenheit hat viel damit zu tun, Dinge zu akzeptieren, die nicht zu ändern sind. Ich rege mich über nichts auf, es bringt einen nicht weiter und ändert nichts. So ist es auch mit dem Älterwerden. Was soll ich darüber lamentieren, es ist nun mal so. Also mache ich das Beste daraus. Im Stau höre ich Hörbücher anstatt mich zu ärgern. Und wenn es mich irgendwo zwickt gehe ich langsamer oder gönne mir eine Massage. Gelassenheit lässt sich zudem im Alter besser umsetzen. Man hat einfach schon fast alles erlebt und muss keinem mehr etwas beweisen. Das entspannt extrem.

LUCKY AGING: Viele träumen davon, nach einem anstrengenden Berufsleben endlich nichts mehr zu tun. Doch von 100 auf 0 macht sie dann auch oft nicht glücklich. Was empfehlen Sie? Wie kann der Übergang gelingen? Und welche Pläne haben Sie vielleicht schon für Ihren Ruhestand?

FRANK BEHRENDT: Nichts zu tun ist doch furchtbar langweilig, wenn man das jeden Tag hat. Ich rate jedem, sich frühzeitig weitere Säulen neben dem Beruf aufzubauen. Das kann ein Hobby sein oder eine ehrenamtliche Tätigkeit. Wenn dann der Hauptjob entfällt, kann man die anderen Säulen hochfahren und hat einen guten Übergang. Meine Mutter ist über 80, und sie stellt ihr Wissen als ehemalige Lehrerin immer noch im Rahmen des SES (Senior Experten Service www.ses-bonn.de) in aller Welt zur Verfügung. Das hält sie jung und sie hat jedes Jahr ein Highlight, auf das sie sich freut. Mein Lieblingsfilm im Zusammenhang mit dem Thema Nichtstun ist übrigens „Man lernt nie aus“ mit dem wunderbaren Robert de Niro. So wie er es macht im Alter, möchte ich es auch machen – als bester und nettester Praktikant, der seine jahrzehntelange Erfahrung und Weisheit in einer jungen Internet-Firma einbringt. Herrlich.

LUCKY AGING: Hinterm Horizont geht’s weiter – so heißt ein Kapitel Ihres Buches. Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach Offenheit und Neugier auch in späteren Jahren?

FRANK BEHRENDT: Eine ganz zentrale. Man ist nie zu alt, um zu lernen. Und es ist doch herrlich, im Alter mehr Zeit dafür zu haben, denn im Berufsleben bleibt das oft auf der Strecke. Ich bin regelmäßig in einem Seniorenheim und mache dort eine Talkshow. Da interviewe ich Bewohner. Die machen zum Teil richtig tolle Sachen: Tango- und Portugiesisch-Sprachkurse oder sie malen unter Anleitung eines Künstlers herrliche Bilder für ihre Zimmer. Das finde ich großartig, und wenn ich die Begeisterung, die in ihren Augen blitzt, erlebe, sehen die ergrauten Damen und Herren direkt 20 Jahre jünger aus.

LUCKY AGING: Sie vertrauen darauf, dass Sie mit den Wechselfällen des Lebens zurecht kommen, möchten ein „Dirigent Ihres Lebens“ sein. Glauben Sie, dass Sie sich diese Lebenseinstellung bewahren können, auch wenn es vielleicht in späteren Jahren mal „dicke“ kommt?

FRANK BEHRENDT: Ich werde meine Haltung in diesem Leben nicht mehr ändern. Es ist mein Leben, und was ich beeinflussen kann, werde ich auch weiter so gestalten, wie es mir gefällt. Krankheiten können natürlich auch mir einen Strich durch die Rechnung machen. Da hoffe ich, dass ich dann die Gelassenheit habe, damit professionell umzugehen. Ich werde mich dann hoffentlich an die Worte meiner wunderbaren Großmutter erinnern, die immer gesungen hat: „Heile heile Gänschen, wird alles wieder gut…“

LUCKY AGING: Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft? 

FRANK BEHRENDT: Dass es den Menschen, die mir am Herzen liegen und mir selbst einfach weiter so gut geht wie jetzt. Am liebsten würde ich die Zeit anhalten und diesen Zustand in unserer kleinen heilen Familienwelt für alle Ewigkeiten konservieren.

 

Mehr in Frank Behrendts Buch „Liebe dein Leben und nicht deinen Job. 10 Ratschläge für eine entspannte Haltung“ (224 Seiten, Gütersloher Verlagshaus)

 

Murphy Witt

Bildrechte: fischerAppelt/John M. John

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