Langsamer altern – geht das?

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Warum sehen Menschen häufig viel jünger aus, als sie sind? Warum altern einige dagegen schneller als andere ihres Jahrgangs? Dass dabei eine Mischung aus Genen und Umwelteinflüssen eine Rolle spielt, vermuten Forscher schon lange. Jetzt hat die MARK-AGE-Studie in 14 europäischen Ländern fünf Jahre lang die Gesundheitsdaten von rund 3300 Teilnehmern aufgezeichnet. Über die ersten Ergebnisse daraus berichtet aktuell Professor Dr. Alexander Bürkle auf dem größten deutschsprachigen Kongress für Altersmedizin, der gerade in Stuttgart stattfindet. LUCKY AGING hat mit dem renommierten Mediziner von der Universität Konstanz gesprochen.

LUCKY AGING: Es gibt Menschen, die bis ins hohe Alter hinein fit und gesund bleiben, und andere, die schon vor dem Eintritt in die Rente deutlich verbraucht sind. Was spielt dabei, wie wir biologisch altern, eine größere Rolle: unsere Gene oder Umwelteinflüsse, denen wir ausgesetzt sind?

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ALEXANDER BÜRKLE: Die derzeitige Lehrmeinung besagt, dass Umwelteinflüsse zu etwa 80 Prozent und Gene zu ungefähr 20 Prozent für den Verlauf des Alterungsprozesses verantwortlich sind.

LUCKY AGING:  Wie weit fassen Sie dabei den Begriff „Umwelteinflüsse“? Gehören auch unser Lebensstil und soziale Kontakte dazu?

ALEXANDER BÜRKLE: Ja, der persönliche Lebensstil ist eine ganz wichtige Komponente der „Umwelteinflüsse“. Er umfasst neben sozialen Kontakten auch Quantität und Qualität der Ernährung, körperliche Betätigung, Stressniveau und Schlafverhalten. Außerdem gehören Genussgifte wie Nikotin und Alkohol, aber auch chemische und physikalische Noxen wie UV-Strahlung und Höhenstrahlung zum Beispiel beim Fliegen sowie Lärm dazu. Eine Gewichtung, was beim Alterungsprozess die wichtigste Rolle spielt, ist beim derzeitigen Wissensstand meines Erachtens allerdings noch nicht möglich. Man kann dem Alter sicher kein Schnippchen schlagen bezüglich Gesundheit und kognitiver Fähigkeiten.

LUCKY AGING:  Bei „genetisch begünstigten“ Menschen läuft der biologische Prozess des Alterns offenbar langsamer ab. Wie unterscheiden sie sich von anderen mit weniger günstigen Genen?

ALEXANDER BÜRKLE: Auch hierzu weiß man noch sehr wenig. Eine interessante Spur besagt jedoch, dass „genetisch begünstigte“ Menschen schon im mittleren Lebensabschnitt eine bessere Glukose-Homöostase haben, dass ihr Körper also ihren Blutzuckerspiegel besser regulieren kann. Sie sind weniger anfällig für Diabetes.

LUCKY AGING: Woran lässt sich nach der ersten Auswertung der Studiendaten am besten ablesen, wie der Alterungsprozess verläuft?

ALEXANDER BÜRKLE: Wir haben rund 400 Biomarker auf ihre Aussagekraft überprüft. Die zehn davon, die die größte Rolle zu spielen scheinen, sind biochemische bzw. molekulare Messwerte aus dem Blut der Studienteilnehmer. Zur Top-Gruppe gehört die DNA-Methylierung. Das ist eine chemische Veränderung der  genetischen Grundbausteine einer Zelle; dabei können Umwelteinflüsse eine Rolle spielen. Ebenfalls zu dieser Top-Gruppe zählen Serum-Glycane, das sind Zuckerketten an Proteinen, die mit verschiedenen Krankheiten in Zusammenhang gebracht werden. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich an dieser Stelle nicht mehr Details nennen kann.

LUCKY AGING: Offenbar können wir aber durch unseren Lebensstil selbst einiges dazu beitragen, um den biologischen Prozess des Alterns vielleicht etwas zu verlangsamen. Welche konkreten praktischen Empfehlungen lassen sich eventuell schon jetzt aus Ihrer Studie ableiten?

ALEXANDER BÜRKLE: Bisher noch keine. Wir müssen weiter forschen und insbesondere Menschen über einen langen Zeitraum in ihrer Entwicklung beobachten.

Murphy Witt

Bildrechte: kardd/Fotolia

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