Wir sind kein Opfer unserer Gene!

3D illustration. Dna helix connected by nodes and connections colored.

„Meine linke Hand ist ganz dick und geschwollen“, sagt meine 83-jährige Mutter am Telefon. „Ich kann die Finger gar nicht krumm machen und bewegen. Meine Ringe schneiden richtig ein; die muss ich wohl aufknipsen lassen.“ – „Hast Du Quark?“, frage ich sie. „Da habe ich heute Mittag Nachtisch draus gemacht. Aber ich kann ja neuen holen“, antwortet sie. „Als Erste-Hilfe-Maßnahme wäre das sicher nicht schlecht“, gebe ich zurück. Arthrose in den Fingern hat sie schon länger, einen solchen starken Entzündungsschub gab es bisher nicht. Während wir noch über das lindernde Potenzial von Quarkwickeln und einen Termin bei ihrem Hausarzt sprechen, taucht vor meinem geistigen Auge eine ungute Vision auf: Werden meine Finger auch irgendwann so dick und schmerzhaft werden?

Polyarthrose ist vererbbar. Frauen sind neunmal häufiger als Männer von dieser äußerst unangenehmen Veränderung der Fingergelenke betroffen. Dabei spielen – wie Experten inzwischen wissen – weniger Verschleiß und Belastung eine Rolle als die hormonellen Veränderungen nach den Wechseljahren. Und die Gene. Töchter, deren Mutter erkrankt ist, trifft es mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls, warnen Rheumatologen. Keine schöne Aussicht! In Gedanken krümmen sich meine Finger schon jetzt.

Doch ich kann es natürlich auch anders sehen: Ich bin vorgewarnt. Und so habe ich die Chance, meine Gene durch einen entsprechenden Lebensstil in Schach zu halten, sie vielleicht sogar positiv zu verändern. Oder schützende Bestandteile meines Erbgutes zu stärken, riskante „abzuschalten“. Denn auch das hat die Forschung inzwischen gezeigt: Wir sind kein Opfer unserer Gene, wir können sie durchaus beeinflussen. Epigenetik nennt sich die Wissenschaft, die das herausgefunden hat. Durch unsere Ernährung, Bewegung, Lebensgewohnheiten wie Schlaf, Entspannung, Nikotin- und Alkoholkonsum, aber auch durch die Umwelt, in der wir leben, nehmen wir Einfluss auf unsere 20 000 Erbanlagen. Ein Leben lang. Und können so dazu beitragen, länger gesund zu bleiben – auch mit einer familiären Vorbelastung. Denn ob wir an Polyarthrose, Diabetes oder einer Störung des Fettstoffwechsels erkranken, hängt nicht nur davon ab, mit welcher genetischen Grundausstattung wir auf die Welt kommen. Es liegt zum Teil auch in unserer Hand, was wir daraus machen und wie wir selbst für uns sorgen. Und damit können wir nicht früh genug beginnen. Danke, Mama, dass Du mich wieder daran erinnert hast.

„Ich habe angefangen, ein bisschen vergnügt zu sein,
da man mir sagte, dass sei gut für die Gesundheit.“

Voltaire

Murphy Witt

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