Musik als Lebenselixier

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War ich zu mutig? Eng gedrängt stehen wir im Halbrund direkt vor der Bühne, hinter uns die voll besetzten Ränge der Berliner Waldbühne. Natürlich wollten wir nicht dort oben sitzen, weit weg vom Geschehen. Nein, früher versuchten wir bei Konzerten auch immer so weit wie möglich nach vorn zu kommen. Stehen wollen wir, uns bewegen, tanzen. Doch so langsam kommen mir Zweifel. Machen Füße und Rücken das noch mit? Aber dann geht’s los. Da ist er: Sting. Und schon nachdem die ersten Takte in Kopf, Hüften und Zehenspitzen angekommen sind, ist klar: Es wird ein fantastischer Abend! Der durchtrainierte 64-Jährige im ärmellosen Muskelshirt versetzt die Arena in Schwingung, und ich verliere auf einen Schlag etliche Lebensjahre.

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Rock statt Rente. Nach diesem Motto lebt gerade eine ganze Musikergeneration. Ob Carlos Santana oder die Rolling Stones, Udo Lindenberg, Deep Purple’s Ian Gillan oder die Jungs von ACDC – solange Stimmbänder und Kreislauf mitmachen, gehen alle weiter auf Tour und schenken uns ihre bombastischen Konzerte als Lebenselixier. Musik ist Erinnerungsanker und Magie. Songs, die uns schon in jungen Jahren begeistert haben, lassen uns unser Leben lang nicht mehr los. Sie sind unsere musikalische Heimat, bei ihren Klängen, bei ihrem Beat fühlen wir uns zu Hause, wohl und frisch. Glückshormone und Gänsehautfeeling inklusive. Der Rhythmus geht nicht nur ins Ohr, sondern auch in Bauch und Beine.

Musik ist Balsam für die Seele, Medizin für Alters-Zipperlein. Schnelle, stark akzentuierte Rhythmen, vorwiegend in Dur-Tonarten, harmonisch, aber oft mit Dissonanzen, sind ein wunderbar aktivierendes und stimulierendes Tonikum, das das sympathische Nervensystem beeinflusst, Atmung und Puls beschleunigt, den Blutdruck erhöht, Stress abbaut und das Immunsystem ankurbelt. Müdigkeit und Rückenschmerzen haben da keine Chance. Das wissen Musiktherapeuten längst. Good Vibrations, die Emotionen wecken und vitalisierend wirken. Den Erfolg sehen wir bei den energiegeladenen Musikern jenseits der 60. Statt sich zur Ruhe zu setzen, rocken sie rund um die Welt die Stadien. Und auch ich spüre es an diesem Abend wieder mit jedem Song. Ob „Message in the Bottle“, „Roxanne“ oder der „Englishman in New York“ – jeder Ton lässt uns swingen und tanzen. Wenn ich sie das nächste Mal höre, wird mir die Erinnerung an diese laue Sommernacht sofort ein Lächeln ins Gesicht zaubern und mein Herz vor Freude hüpfen lassen. Danke Sting!

Murphy Witt

Bildrechte: Siegmar Witt

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