Zufrieden älter werden? Eine Frage der Perspektive

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Wie können wir uns aufs Älterwerden vorbereiten? Wie gelingt es uns, gut und zufrieden zu altern? Fragen, die uns alle, die wir nicht mehr ganz so jung sind, beschäftigen. Antworten darauf wollen heute und morgen Wissenschaftler aus aller Welt bei der hochkarätig besetzten Konferenz „Altern als Zukunft“ an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) finden. Professor Frieder Lang, Organisator dieser Veranstaltung und Leiter des Instituts für Psychogerontologie an der FAU, weiß aus seiner Forschung: Eine wichtige Rolle spielt dabei unsere persönliche Sichtweise auf das Alter. LUCKY AGING hat mit ihm darüber gesprochen.

LUCKY AGING: Herr Professor Lang, wann beginnen die meisten Menschen damit, sich mit ihrem Älterwerden auseinander zu setzen?

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FRIEDER LANG: Genau diese Frage beschäftigt uns in unserem von der Volkswagen-Stiftung geförderten internationalen Kooperationsprojekt. Die meisten Menschen beginnen schon in der Kindheit damit, ein Bild vom Alter und vom Altern zu entwickeln, das sich aber, bis sie erwachsen sind, oft sehr stark verändert. Erwachsene haben dann meist sehr klare Vorstellungen davon, was Sie sich für ihr Alter wünschen. Wir haben beispielsweise Menschen gefragt, wie lange sie gerne leben würden. Dabei zeigten sich fast keine Unterschiede zwischen jungen und älteren Erwachsenen, auch nicht zwischen Männern und Frauen. Die meisten Menschen sagen, dass es in Ordnung sei, zwischen 85 und 90 Jahre alt zu werden. Leider sagen die allermeisten, dass sie sich ein solches Alter nur wünschen, solange sie gesund und nicht pflegebedürftig sind.

LUCKY AGING: Etwas, das wir ja nur sehr begrenzt selbst in der Hand haben…

FRIEDER LANG: Deshalb beschäftigen wir uns auch mit der Frage, inwieweit realistische Vorstellungen des eigenen Alterns dazu beitragen können, mit den Herausforderungen des Alterns besser klar zu kommen. Menschen, die zu viel Gutes im Alter erhoffen, sind vielleicht enttäuscht. Problematisch ist aber auch, wenn man sich mit dem eigenen Älterwerden und Altsein nicht recht anfreunden kann. Das Altern hat viele Gesichter und ist sehr vielschichtig. Es gibt viele Empfehlungen, die man geben kann, aber diese sollten immer auf die Situation des Einzelnen eingehen und dessen Sicht auf die Dinge berücksichtigen. Allgemeine Rezepte, wie Älterwerden gut gelingt, funktionieren meist nicht gut im Einzelfall .

LUCKY AGING: Welches sind aus Ihrer Erkenntnis heraus die wichtigsten Themen, mit denen wir uns im Zusammenhang mit unserem eigenen Älterwerden beschäftigen sollten?

FRIEDER LANG: In unseren Studien zeigt sich, dass sich viele Menschen große Sorgen darum machen, wie sie im Alter noch selbst über ihr Leben bestimmen können. Viele Menschen befürchten, einer allzu übermächtig wirkenden Apparate-Medizin ausgeliefert zu sein. Beispielsweise fürchten sich weit mehr Menschen vor einer Demenz als letztlich daran erkranken. Die Angst vor Alterskrankheiten hat manchmal fatale Wirkungen, bis hin zur Selbstaufgabe. Es ist also eine wichtige Frage, wie Sichtweisen auf das Altern und Sichtweisen auf die eigene Zukunft das Handeln leiten. Und wie sie Menschen dazu bringen – oder davon abhalten –, sich angemessen auf das eigene Älterwerden vorzubereiten. Dies sind die zentralen Fragen, die wir in unserem internationalen Forschungsprojekt untersuchen.

LUCKY AGING: Also macht es Sinn, realistisch zu bleiben und den eigenen Blickwinkel zu überdenken, die Perspektive vielleicht sogar bewusst zu verändern. Welche Faktoren bestimmen noch, wie „gut“ und „zufrieden“ wir altern?

FRIEDER LANG: Es gibt ein ganzes Bündel an Strategien des gelingenden Alterns, die sich meist um die Fragen des gesunden Lebensstil, reichhaltiger sozialer Beziehungen und sinnvoller Alltagsgestaltung drehen. Ein langes Leben gelingt immer dort am besten, wo ältere Menschen aktiv, aus freien Stücken und eigenem Antrieb am sozialen Leben teilhaben und die Gesellschaft mitgestalten. Niemand ist zu alt für ein gutes Leben. Altern als Zukunft bedeutet, dass es kein Alter gibt, in dem nicht noch etwas vor uns liegt. Und es ist niemals zu spät, um etwas Neues zu beginnen.

LUCKY AGING: Und wie wirken sich verpasste Chancen auf die Zufriedenheit im Alter aus?

FRIEDER LANG: Da gibt es noch großen Bedarf nach weiterer Forschung. Hier sind noch viele Fragen ungelöst. Beispielsweise ist offen, wieso es manchen Menschen sehr gut gelingt, sich mit dem eigenen Leben auszusöhnen und zufrieden zu sein, während andere im Alter mit sich hadern oder sogar Resignation erleben. In Studien konnte gezeigt werden, dass viele ältere Menschen, die über eine hohe Zufriedenheit berichten, nicht so sehr auf verpasste Chancen in ihrem Leben zurückblicken als vielmehr auf die guten Gelegenheiten, die sie glücklicherweise für sich nutzen konnten. Viele gesunde, aktive und zufriedene ältere Menschen betrachten sich als Überlebende, die einfach nur das große Glück hatten so lange zu leben und die dafür dankbar sind. Diese positiven Deutungen des eigenen Lebens und des so Gewordenseins tragen ganz entscheidend zur Zufriedenheit im Alter bei.

 

Murphy Witt

Bildrechte: Siegmar Witt, Frieder Lang

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